Es gibt viele Situationen, in denen Menschen schlechte Botschaften übermitteln müssen: Im Notarzt- und Polizeieinsatz, wenn die Feuerwehr gerufen wird, und auch in Kliniken und Rehas werden tagtäglich Nachrichten überbracht, die ihre Empfänger sprachlos machen. Das Leben in wilde Strudel stürzen, wo gerade noch alles gut schien.

Oft sind die Ärzte psychologisch nicht oder nicht genügend geschult, wissen nicht darum, wie gute Kommunikation ihrem Gegenüber erleichtern könnte, das schwere Schicksal anzunehmen. Oder sie kommen gehetzt vom Tag in das Gespräch, im ungut nervenden Bewusstsein, wie viele andere Pflichten noch auf sie warten. Oder sie können nur schwer in den Moment hinein finden, weil der Alltag so viele Erfordernisse an sie hat.

Wie halten sie den Botschaften-Marathon aus, ohne selbst im Burnout zu landen? Wie können sie sich selbst gesund halten, trotz dieser herausfordernden Aufgaben? Das Training des Überbringens der schlechten Nachricht könnte ein Faktor sein, um Burnout zu vermeiden. Das legen Studien nahe.

Das neue Buch von Prof. Dr. Jalid Sehouli

„Von der Kunst, schlechte Nachrichten gut zu überbringen“ heißt das neue Buch von Professor Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie an der Berliner Charité und weltweit führender Krebsspezialist – einer, der dabei Mensch geblieben ist, Gefühle auch im Klinikalltag für wichtig hält und uns zeigt, wie gute Kommunikation in schwierigsten Situationen zu bewältigen ist.Prof. Dr. Jahid Sehouli

Gemeinsam mit seiner Kollegin Christine Klapp hält er "Breaking bad news-Seminare" an der Charité in Berlin. Kurse, die Ärzten mit Rollenspiel und gewissenhafter Anleitung vermitteln, wie sie beim Überbringen schlechter Botschaften vorgehen können; in diesen Seminaren trainieren Notfallmediziner, Gynäkologen, Internisten ihre Kommunikationsfertigkeiten mit Simulationspatienten, die eine spezielle Schauspielausbildung absolviert haben.

Denkbar wären diese Seminare etwas abgewandelt natürlich auch für Krankenschwestern und anderes Personal im Bereich Pflege.

Die Seminare finden in kleinen Gruppen statt, damit eine Feedbackkultur entstehen und Kritik gut angenommen werden kann. Es geht um Haltung und Kritikfähigkeit der Teilnehmer; sie üben mit simulierenden Patienten, die Krankengeschichten aus dem klinischen Alltag mitbringen; bemühen sich, die richtigen Worte zu finden, körpersprachlich adäquat zu agieren, die Pausen richtig zu setzen. Wie spricht man die Diagnose einer schwerwiegenden Erkrankung richtig an? Den unheilbaren Rückfall? Wie kann man schlechte Nachrichten überbringen?

Grundregeln beim Übermitteln schlechter Nachrichten

Was Vermittlern schlechter Botschaften klar sein muss:

schlechte nachrichten überbringen

Die gute Botschaft nicht vergessen

"Mir wird immer wieder bewusst, dass der Moment sehr wichtig ist. Das ist die Übermittlung der schlechten Nachricht: "Sie hatten Krebs, der Krebs ist wiedergekommen, Sie sind unheilbar krank. (...) Und ich möchte in diesem Buch zeigen, dass wir die guten Botschaften nicht vergessen dürfen."

Gute Nachrichten und der Blick darauf geben Kraft. Sehouli hat sich zum Ritual gemacht, jeden Arbeitstag in der Klinik damit zu beenden, zumindest einer seiner Patientinnen eine gute Nachricht zu überbringen. Er sagt, dass man die guten Nachrichten ausreichend zelebrieren solle, dass es auch seine Resilienz als Arzt stärke, wenn er den Ausgleich in der guten Nachricht findet.

Vorreiter auf allen Ebenen

"Gute Nachrichten machen stark, gute Nachrichten verbinden mit dem Leben, verbinden mit der Liebe zum Leben. Gute Erfahrungen, gute Nachrichten geben uns die notwendige Widerstandskraft gegen das Unvorhergesehene, Schicksalhafte." so heißt es im Buch.

Das ist einer der Gründe, warum der renommierte Krebsspezialist auf seiner Station Kreative Schreibseminare und Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben (GKS) in Auftrag gegeben hat: Bei diesen Schreibkursen stärkt Team Sudijumi mit Schreibimpulsen die Patientinnen u.a. darin, das Gute im Schlechten zu finden, die Achtsamkeit auf das kleine Glück zu lenken.

Also nicht nur im Training der Arzt-Patienten-Kommunikation ist Sehouli Vorreiter: Er hat als einer der Ersten das Schreiben in Deutschland in die Klinik gebracht. Schreiben ist eine exzellente komplementäre Therapie. Wer sich damit selbst geholfen hat, weiß, wie stark Schreiben positiv wirken kann. Und daher wird das nächste Buch des schriftstellernden Arztes, dass er über die Stiftung Eierstockkrebs initiierte, heißen: "Mit Schreiben zur Lebenskraft. Übungsbuch für Frauen mit Krebserkrankung" (Kösel Verlag 2019, Diehm/Michaud/Sehouli).

Parallel dazu entsteht eine Anthologie von Texten, die Frauen mit Krebserkrankung selbst geschrieben haben. In denen sie u.a. davon erzählen, wie die schlimme Botschaft bei ihnen angekommen ist. Professor Sehouli sorgt damit dafür, dass die Botschaft keine Einbahnstraße ist, sondern von vielen Stimmen aufgenommen und zurückgespiegelt wird. Kommunikation auf Augenhöhe, eben.

In seinem Buch „Von der Kunst, schlechte Nachrichten gut zu überbringen“, das auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde, spricht der Fachmann, der sein Wissen weitergibt. Zwischen den Fakten und Empfehlungen findet der Leser berührende Erzählungen aus Sehoulis Erfahrungsschatz in der Begegnung mit seinen Patientinnen. Bei allen Fakten steckt in diesem neuen Buch viel Herz, und darüber hinaus hat der Krebsspezialist seine Botschaft sehr klug und überzeugend verpackt: So, dass sie keine vehemente Anklage der Missstände ohrfeigenartig verteilt sondern in aller Ruhe Schritte aufzeigt, wie die Situation zu verbessern ist.

Viele Themen, Hintergründe und Probleme spricht er an. Und zu den Antworten auf die Fragen gehört es, dieses Buch zu lesen. Sowohl für Botschaften verteilende als auch Botschaften empfangende Menschen: Eine Offenbarung.

Hier geht es zu einer Leseprobe.

Hier finden Sie einige Termine, bei denen Sie Jalid Sehouli live erleben können.