Von | 9. November 2020

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Seit Sommer dieses Jahres gilt ein neuer Expertenstandard für das Schmerzmanagement in der Pflege. Er löst die bisherigen Standards für akute Schmerzen sowie für chronische Schmerzen ab. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen wurden vom Team des Deutschen Netzwerks für Qualität in der Pflege (DNQP) gesammelt und im neuen Standard verarbeitet. Relias Learning möchte wie gewohnt seinem hohen Qualitätsanspruch Rechnung tragen und hat einen E-Learning-Kurs auf Grundlage des neuen Expertenstandards konzipiert. Wie der Kurs aufgebaut ist, welche Neuheiten es gibt und auf welche Interaktionen die Lernenden sich freuen dürfen, berichtet unser Kollege Robert Rath, Leiter des Relias-Autorenteams in diesem Interview.

 

Wie ist es zu dem neuen Expertenstandard gekommen?

Der neue Expertenstandard ist gar nicht so neu, er ist eine Aktualisierung der beiden vorhandenen Expertenstandards in der Pflege bei akuten und chronischen Schmerzen. Akute und chronische Schmerzen treten oft gemeinsam auf und erfordern demzufolge auch eine gemeinsame Behandlung. Aus diesem Grund ist jetzt ein zusammengefasster Expertenstandard für Schmerzmanagement entstanden. Der Herausgeber, das Deutsche Netzwerk für Qualität in der Pflege (DNQP), aktualisiert die Expertenstandards alle 5 – 7 Jahre. Im Zuge dieser Aktualisierung wurden beide Standards zu einem zusammengefasst.

 

Gibt es signifikante inhaltliche Unterschiede zu den alten Expertenstandards?

Ein Unterschied ist, dass man von den sogenannten Cut-Off-Werten weggekommen ist, also dem definierten Zahlenwert, ab dem schmerzlindernde Maßnahmen eingeleitet werden. Im neuen Expertenstandard wird kein spezifischer Richtwert mehr genannt, sondern eine engere Zusammenarbeit mit den Betroffenen empfohlen, um ein unakzeptables Schmerzmaß zu definieren, ab dem gehandelt werden muss.

Außerdem wird eine ganzheitliche Betrachtung der Betroffenen und der möglichen Maßnahmen angestrebt. Es ist bekannt, dass akute und chronische Schmerzen gemeinsam auftreten können und demnach auch eine gemeinsame Behandlung gefunden werden muss.

Einen wichtigen Schritt hin zu einer ganzheitlichen Pflege beschreibt das Bio-psycho-soziale Modell. Das Modell möchte das veraltete Denken, dass Schmerzen vor allem eine somatische, also körperliche Ursache haben, beheben. Der Fokus liegt jetzt auf den bio-psycho-sozialen Faktoren, die den Menschen und sein Schmerzerleben stark beeinflussen können, z. B. beruflicher oder privater Stress. Das Zusammen- und Wechselspiel dieser Faktoren erschafft die individuelle Schmerzsituation. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass der Schmerz Einfluss auf die bio-psycho-sozialen Faktoren haben kann.

 

Ist der Expertenstandard bindend?

Offiziell ist er rechtlich nicht bindend, das habe ich ausführlich in einem Blogartikel erläutert. Aber er ist der angesehene „Goldstandard“ der pflegerischen Praxis. Deshalb würden Prüfungsinstanzen, z. B. der Medizinische Dienst, sich im Ernstfall auf den Expertenstandard berufen und kontrollieren, ob das Wissen aus dem Expertenstandard geschult und angewendet wurde.

 

Was waren die Herausforderungen bei der Erstellung des entsprechenden E-Learning-Kurses?

Die Herausforderung bei der Konzeption bestand darin, die Fülle von Informationen aus dem Expertenstandard interaktiv, praxisorientiert und übersichtlich zu vermitteln. Die Handlungsempfehlungen mussten also kompakt formuliert und so aufbereitet werden, dass Pflegefachpersonen sie im Kurs üben und später im Arbeitsalltag anwenden können. Diese Herangehensweise ist immer unsere größte und gleichzeitig interessanteste Herausforderung bei der Erstellung der E-Learning-Kurse, der wir uns im Autoren-Team von Relias gerne stellen. Hinzu kommt, dass wir ambulante Pflegedienste, Krankenhäuser, voll sowie teilstationäre Langzeitpflegeeinrichtungen mit ihren unterschiedlichen Arbeitsabläufen ansprechen.

Wir haben den Anspruch, die Kurse für Lernende möglichst realitätsnah zu gestalten. Das geschieht anhand von Szenarien, die die Lernenden in Form einer Geschichte durch den jeweiligen Kurs begleiten und somit ein fallbezogenes, exemplarisches Lernen ermöglichen.

Eine Pflegefachperson in der ambulanten Pflege hat einen anderen Arbeitstag als eine Pflegefachperson von einer Intensivstation im Krankenhaus. Aber für beide gilt derselbe Expertenstandard. Das zeigt die Herausforderung bei der Konzeption für das DNQP, aber auch für uns. Letztlich schafft der Expertenstandard einen verbindlichen Rahmen, der aber im Detail vor Ort unterschiedlich umgesetzt werden muss. In unseren Kursen gehen wir genau auf diese Unterschiede konkret ein.

 

Wie viele Kurse wird es zu dem Thema von Relias geben und an wen richten sich die Kurse?

Unser Relias-Konzept sieht für die Expertenstandards vor, dass es einen übergreifenden, für alle Einrichtungstypen geeigneten Grundkurs gibt, sowie spezifische Auffrischungskurse, die sich auf die individuellen Abläufe in Krankenhäusern, stationären Pflegeeinrichtungen sowie ambulanten Pflegediensten beziehen.

Für den Grundkurs haben wir ein Fallbeispiel gewählt, das in alle Bereiche passt. Für die Auffrischungskurse, die es ab Anfang 2021 geben wird, haben wir uns jeweils neue, passende Fallbeispiele überlegt.

Unsere Zielgruppe ist die gleiche wie die des DNQP. Das bedeutet, dass unser E-Learning-Kurs für Pflegefachpersonen ohne spezifische Weiterbildung konzipiert ist.

 

Wie ist der Kurs zum Expertenstandard Schmerzmanagement aufgebaut?

Der Grundkurs startet mit einem Fallbeispiel: Frau Kasper hat chronische Schmerzen im Rücken, die zunehmend stärker werden. Schon bald kann sie nicht mehr arbeiten und muss behandelt werden. Anschließend ist sie auf Pflege angewiesen und somit startet der pflegerische Auftrag. Dieser medizinische Hintergrund und die Geschichte von Frau Kasper werden den Lernenden gleich am Anfang des Kurses vorgestellt. Danach beginnt die Anleitungssituation, die die Lernenden durch den ganzen Kurs begleiten wird. Die Lernenden haben Ihren ersten Tag in der Einrichtung und werden von der erfahrenen Kollegin Frau Alisadeh eingearbeitet, welche die Inhalte des Expertenstandards Schritt für Schritt erklärt. Sie hilft beim Schmerzscreening und der Schmerzanamnese. Anschließend plant und koordiniert sie mit den Lernenden zusammen das Schmerzmanagement.

 

Was ist besonders einzigartig an dem neuen Expertenstandard-Kurs?

Wir haben erneut mit zwei sehr erfahrenen Fachexpert*innen aus der Arbeitsgruppe des DNQP zusammengearbeitet, Frau Girardi und Herrn Heisel. Ich habe bei der Zusammenarbeit gemerkt, dass sie nicht nur ein enormes Wissen zu der Thematik haben, sondern auch, dass sie aus ganzem Herzen Expert*innen sind. Die gemeinsame Arbeit macht sehr viel Spaß und spiegelt sich positiv in der Qualität unserer Kurse wider.

Wieder haben wir ein stringentes Fallbeispiel, das sich konsequent von Anfang bis Ende in jedem Kapitel des Kurses wiederfindet.

In den Auffrischungskursen wird Frau Alisadeh nicht mehr dabei sein, so dass die Lernenden das Schmerzmanagement allein übernehmen müssen. Die Lernenden werden eigenständig ihr Wissen aus dem Grundkurs anwenden. Dabei wird es um Herrn Nowak gehen, der zu Beginn der Kurse vorgestellt wird. Im Anschluss können die Lernenden die Schmerzgeschichte herausarbeiten, die größten Probleme herausfiltern und die passenden Maßnahmen für Herrn Nowak planen. Dieses Fallbeispiel wird in den Auffrischungskursen den roten Faden bilden und wird für alle Einrichtungstypen spezifische Aspekte beinhalten.

 

Eine letzte Frage habe ich noch, ist der Kurs barrierefrei?

Wie alle unsere Kurse, die seit März 2020 produziert werden, haben unsere Kurstechniker auch diesen Kurs mit grundlegenden Merkmalen der Barrierefreiheit umgesetzt. Das bedeutet z. B., dass der Text, die Abbildungen und die Interaktionen so erstellt worden sind, dass ein Screen-Reader sie lesen kann. Auch kann über die Tastatur navigiert werden, eine Maus wird nicht zwingend benötigt. Einen sehr schönen und ausführlichen Blogartikel zur digitalen Barrierefreiheit in den Relias-Kursen hat unser Kollege Dominik Rosehnal geschrieben. Dort kann man alles über die einzelnen Maßnahmen erfahren.

 

Lieber Robert, vielen Dank für das Gespräch!

 


Sehen Sie sich hier ein Vorschauvideo des neuen E-Learning-Kurses an.


 

Bildnachweis: RUNSTUDIO/The Image Bank/Getty Images

Robert Rath

war als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger über sieben Jahre in der stationären Pflege an der Berliner Charité beschäftigt. Dort arbeitete er im Fachbereich Hämatologie und Onkologie und war spezialisiert auf die Versorgung von chronischen Wunden und die praktische Anleitung von Auszubildenden und Praktikanten. - Zusätzlich hat Herr Rath drei Jahre lang Gesundheitswissenschaften an der Charité studiert und den akademischen Grad Bachelor of Science erworben. - Derzeit ist er Leiter des Autorenteams bei Relias Learning und arbeitet gelegentlich als Lehrbeauftragter für das Thema Wundversorgung im Studiengang Bachelor of Nursing der Evangelischen Hochschule Berlin.

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