Von | 11. September 2020

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Kulturelle oder interkulturelle Kompetenz, transkulturelle oder kultursensible Pflege – die Interaktion zwischen Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen in Gesundheitsberufen kann mit diversen Begriffen beschrieben werden. Bei näherem Hinsehen lassen sich hier zwar Unterschiede feststellen – Ziel ist aber immer, herausfordernde Situationen zu verstehen, zu lösen oder zu verhindern.

Warum ist ein E-Learning-Kurs zu kultureller Kompetenz wichtig?

Der Alltag von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen ist geprägt von zwischenmenschlichen Kontakten, Kommunikation und Erwartungen. In diesem Zusammenhang sind stets individuelle Bedürfnisse zu beachten. Wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander agieren, können durch Sprachbarrieren, unterschiedliche Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit sowie Regeln und Normen kulturelle Missverständnisse entstehen. Um diese Situationen besser zu verstehen, zu lösen oder von vornherein zu verhindern, ist es hilfreich, die Themen Kultur und kulturelle Kompetenz aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten und sich in die Gegenüber entsprechend hineinzuversetzen.

Damit das gelingen kann, ist eine kultursensible Haltung und ein gewisses Hintergrundwissen notwendig. In unserem Kurs „Kulturelle Kompetenz für Gesundheitsberufe“ können Lernende kultursensible Handlungsstrategien kennenlernen, die jedoch selbstverständlich in der Praxis immer an die individuelle Situation, die beteiligten Personen und kulturellen Hintergründe angepasst werden müssen.

Für wen ist dieser E-Learning-Kurs geeignet?

Der Kurs richtet sich an Mitarbeitende im Gesundheitswesen, die über den Tellerrand schauen und sich u. a. mit dem spannenden Thema kultursensibler Kommunikation auseinandersetzen möchten.

Im Kurs werden Fallbeispiele aus verschiedenen Settings aufgegriffen, die sich auch auf Ihre Arbeitsumgebung übertragen lassen. Da der Kurs vor allem auf Fallbeispiele in der Pflege eingeht, ist er für Pflegepersonen in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäusern geeignet.

Wie ist dieser E-Learning-Kurs zu kultursensibler Pflege entstanden?

Wir von Relias haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Bedürfnisse der verletzlichsten Menschen in unserer Gesellschaft im Blick zu haben. Die Konzeption dieses Kurses lag uns daher besonders am Herzen.

In meiner langjährigen Erfahrung als Pflegefachperson in der ambulanten und stationären Pflege habe ich häufig kulturelle Missverständnisse erlebt und beobachtet. Diese bezogen sich unter anderem auf das Verständnis für z.B. Besuche größerer Gruppen von Angehörigen, den Umgang mit individuellen Gebetszeiten von Patient*innen im Stationsablauf oder der Beachtung kulturell-religiöser Ernährungsrichtlinien. Wenn sich die Vorstellungen der Pflegebedürftigen und der Pflegepersonen unterscheiden, ist eine gelungene Kommunikation für den Behandlungserfolg unerlässlich.

Doch was, wenn es aufgrund von Sprachbarrieren und verschiedenen kulturellen Hintergründen schwierig wird, einen gemeinsamen Nenner zu finden? Solche Situationen können schnell unbefriedigend für beide Seiten sein.

Heutzutage wird kultureller Kompetenz und kultursensibler Pflege eine größere Bedeutung zugeschrieben als noch vor einigen Jahren. Es sind viele Fortschritte, auch in der Praxis, zu beobachten und der Nutzen – vor allem für Gesundheitsberufe – wird durch Studien gestützt (z. B. von der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) oder vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen) und steht mehr denn je im Fokus.

Kultursensible Pflege- und Kommunikationskompetenz am Modell des Eisbergs

In unserem Kurs lernen Sie, dass das Bewusstsein für sich unterscheidende Überzeugungen, Werte und Weltanschauungen anderer Kulturen hilft, mögliche Herausforderungen vorab zu erkennen. Lernende können durch Ihre persönliche Haltung beeinflussen, wie sie kulturelle Unterschiede empfinden. Auch Hintergrundwissen über fremde Kulturen hilft dabei, kulturell kompetent zu handeln.

Im Kurs wird anhand eines Eisbergs veranschaulicht, dass einige Bereiche der Kultur eines Menschen sichtbar und erlebbar sind, z. B. die Sprache. Verborgen unter der Oberfläche befindet sich jedoch ein viel größerer Teil, der nicht sofort sichtbar, aber genauso wichtig ist. Dazu gehören z.B. Glaubens- und Wertevorstellungen. Wenn wir nur die sichtbare Spitze des Eisberges beachten, laufen wir Gefahr, unter der Wasseroberfläche zu kollidieren.

Kultursensibilität in der Pflege am Beispiel des Eisbergs

Praxisnahe Fallbeispiele

Anhand von praxisnahen Fallbeispielen erfahren die Lernenden, wie man in Gesundheitsberufen kulturell kompetent handelt und wie Situationen von Menschen aus anderen Kulturen empfunden werden können. So können die Lernenden sich in die Gefühlswelt des Gegenübers hineinversetzen.

Auch der Aspekt, dass heutzutage Kolleg*innen mit einem anderen kulturellen Hintergrund in der Pflegelandschaft anzutreffen sind, wird im Kurs aufgegriffen. Welche Herausforderungen sich hier aus vermeintlich einfach zu bewältigenden Situationen ergeben können, wird im Kurs anhand der philippinischen Pflegefachperson Richelle veranschaulicht.

kultureller Hintergrund in der Pflege

Bezug auf aktuelle Handreichungen

Handlungsanweisungen adressieren das Thema bereits seit einigen Jahren und gewinnen in der letzten Zeit weiter zunehmend an Popularität. Gesundheitseinrichtungen können sich Informationen und Anregungen zur Umsetzung von kultursensibler Pflege und Kommunikation beschaffen. So ist z. B. die „Handreichung zur medizinischen und pflegerischen Versorgung von älteren Migrant*innen“ des CarEMi (Care for Elderly Migrants) sehr hilfreich, wenn es um die Versorgung von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund geht.

Auch das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat mit der „Charta für eine kultursensible Altenpflege“ Empfehlungen, speziell für die stationäre Langzeitpflege, zusammengestellt. In unserem Kurs werden Inhalte aus aktueller Literatur aufgegriffen und mit praktischen Beispielen begleitet.

Was sind die Lernziele des Kurses?

Bei dem Thema spielt sowohl das Erkennen potenziell herausfordernder Situationen, die eigene Haltung zum Thema, die Kommunikation, wie auch das Hintergrundwissen eine tragende Rolle, um erfolgreich kultursensibel zu handeln. Dies wird auch in den Lernzielen des Kurses deutlich:

  1. Sie können die positiven Effekte kultursensiblen Handelns benennen.
  2. Sie können verschiedene Sichtweisen in Pflegesituationen mit gemischten Kulturen und Wertesystemen einnehmen.
  3. Sie können Merkmale verschiedener kultureller Hintergründe und deren Erwartungen an die Pflege erkennen.
  4. Sie können Strategien auswählen, um kultursensibel zu handeln.

Der Kurs funktioniert dabei in beide Richtungen: Sowohl die Versorgung von Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund als auch die Herausforderungen von Mitarbeitenden aus anderen Kulturen werden in unserem Kurs thematisiert.

Fachexpertise aus der Praxis

Wie sieht es mit der konkreten Umsetzung von kulturellen Konzepten in der Praxis aus? Diese Frage habe ich mir selbst in meinem Pflegemanagementstudium gestellt. Inspiriert von lebhaft gestalteten Seminaren aus meiner Studienzeit zum Thema habe ich meine Bachelorarbeit, zusammen mit einem Kommilitonen, dem Thema gewidmet. „Angewandte Konzepte zur Etablierung und Umsetzung von Transkulturalität in Berliner Krankenhäusern“ beschäftigte sich mit dem damals aktuellen Stand der Umsetzung in unserer Heimatstadt Berlin, die sich vor allem auch durch die kulturelle Vielfalt auszeichnet. Hier haben wir in Experteninterviews unter anderem erfragt, welche spezifischen Wünsche oder Bedürfnisse Patient*innen mit Migrationshintergrund äußern und wie darauf im Pflegealltag eingegangen wird. Nach meinem Studium habe ich das Thema in den verschiedenen Stationen meiner Berufslaufbahn weiterverfolgt. Durch kulturelle Coachings, selbst gehaltene Fortbildungen und die bewusste und regelmäßige Berücksichtigung des Themas bei der Fortbildungsplanung im Qualitätsmanagement habe ich aktiv den kultursensiblen Umgang in meinem Verantwortungsbereich gefördert.

Nun, als Kursautor bei Relias, bot sich erneut die Gelegenheit, meine Leidenschaft für dieses Thema in Form eines E-Learning-Kurses weiterzugeben.

Überzeugen Sie sich selbst von unserem Kurs

Schauen Sie sich dazu unsere Videovorschau an:


Weitere Beiträge zum Thema:

https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/211007/altern-in-der-migrationsgesellschaft

https://www.pflegen-online.de/wir-sind-auf-auslaender-angewiesen

https://www.pflegen-online.de/pflegekraefte-gesucht-schaut-auf-die-fluechtlinge

 


Bildnachweis: VadimGuzhva – stock.adobe.com


 

Martin Kühnert

war als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger in der Chirurgie und diversen anderen Fachbereichen sowie in der ambulanten Pflege tätig. - Er erwarb den akademischen Grad Bachelor of Arts – Pflegemanagement an der Evangelischen Hochschule Berlin und beschäftigte sich in seiner Bachelorarbeit mit Transkulturalität in Krankenhäusern. - Nach Abschluss des Studiums arbeitete er im psychiatrischen Setting als Assistenz der Pflegedienstleitung, bevor er für mehrere Einrichtungen in der stationären Altenpflege im Qualitätsmanagement tätig war. - Er gab als Dozent diverse kulturelle Trainings für Mitarbeiter*innen in der Pflege. Seit 2019 ergänzt Martin Kühnert mit seinem Expertenwissen als Fachautor das Team bei Relias Learning.

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